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Mit dem Rad über die Alpen
Acht Musiker der Stadtkapelle Bobingen bestritten den Weg zur Südtiroler Partnerkapelle mit dem Radl.
Schon seit über dreißig Jahren besteht eine enge Freundschaft zwischen der Stadtkapelle Bobingen und der Musikkapelle Vöran. Als nach zwei Jahren wieder ein Treffen der beiden Kapellen anstand, machten sich sechs Männer und zwei Frauen schon zwei Tage vor dem Rest der Kapelle erfolgreich mit dem Radl auf den Weg über die Alpen. Zielort: das neunhundert-Einwohner-Dorf Vöran, auf dem Tschögglberg in der Nähe von Meran.
Am Mittwoch, den 21. Juli startete die Gruppe um sieben Uhr von Bobingen in Richtung Füssen, und radelte über Pinswang und Reutte durch das Lechtal. In Stanzach erwischte sie dann auch schon der erste Regenguss der Tour- eine kleine Abkühlung bei zuvor 32° und den vielen bevorstehenden Höhenmetern, die es zu überwinden galt. Die Taktik für das Bezwingen der Anstiege in der Gruppe war einfach, aber effektiv: Jeder fährt sein Tempo, keiner wird gezwungen schneller oder langsamer zu fahren als ihm für sich optimal erscheint, und spätestens „oben", aber mindestens an jeder Abzweigung, wird wieder eingesammelt. Die bunt gemischte Truppe, darunter routinierte Tourenfahrer, aber auch Freizeitradler, die noch nie solch eine Strecke gefahren waren, kam auf diese Art und Weise gut voran.
Am nächsten Tag galt es dann den ersten Pass, das Hahntennjoch zu bezwingen. Die darauffolgende Abfahrt nach Imst verlief je nach Teilnehmer unterschiedlich. Während die einen in halsbrecherischem Tempo die Serpentinen herunter rasten, versuchten die Touren-Greenhorns die Balance zwischen „nicht schneller als 50km/h" und „Bremsen nicht überhitzen" zu finden. Die Motivation in der Gruppe war jetzt nach dem ersten Meilenstein hoch. Die nächsten Pässe (Pillerhöhe und Norbertshöhe) schienen machbar, doch bei brütender Hitze kamen dann natürlich alle Beteiligten ziemlich ins Schwitzen.
Freitag, der letzte Tag, wurde das Team mit einer herrlichen Abfahrt über rund 60km vom Reschensee durch das Vinschgau bis Meran belohnt. Für Abkühlung sorgten zunächst immer wieder die Beregnungsanlagen der Obstplantagen. Ein paar Pannen, enge Tunnels, Straßen und die letzten richtigen Anstiege später, stand der Trupp kurz vor dem Ziel, und musste sich prompt noch durch ein gewaltiges Unwetter quälen. „Ich fuhr gerade die letzten Meter nach Vöran ein, als direkt neben mir der Blitz einschlug. Da wäre ich vor Schreck beinahe vom Fahrrad gefallen.", berichtet ein Mitglied der Mannschaft.
Um halb sieben Uhr war schließlich die ganze Radler-Vorhut eine Stunde vor dem Bus der Kapelle im Vöraner Musikpavillon heil eingetroffen, und am Abend konnten alle gemeinsam ihre Ankunft gebührend mit Südtiroler Spezialitäten (Wein, Speck, Schüttelbrot) feiern. „Ich habe mir und einigen Skeptikern in der Kapelle bewiesen, dass man es auch mit dem Liegerad über die Alpen schafft. Ich musste niemals an meine körperlichen Grenzen gehen, und würde lieber heute als morgen wieder auf eine solche Tour gehen", so Thomas Thanner, der Exot auf dem Liegerad unter sechs Mountainbikes und einem Rennrad.
Für die Truppe war diese sportliche Herausforderung ein herrliches Erlebnis und das stimmungsvolle Musik-Wochenende mit den Vöraner Musikanten eine unvergessliche Belohnung.
Autor: Andrea Sappler |